Muskeln und Mechanik: Ohne Strom geht’s auch

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So manche Hobbywerkstatt ist mit allen erdenklichen Elektrowerkzeugen ausgestattet. Und das ist – wenn die Qualität der Geräte stimmt – gut so. Kreissäge, Bohrmaschine, Schleifgerät, Elektrohobel und Co. sollen die Arbeit erleichtern – und tun das meist auch. Ich käme gar nicht auf die Idee, ein Loch in einen Metallträger oder eine Betonwand mit einer Handkurbel zu bohren. Und Holzleisten mit dem Fuchsschwanz aus dem Langholz zu sägen, ist auch kein Vergnügen.

Und doch scheint es, als gäbe es für viele professionelle Handwerker, Modellbauer und Bastler keine Alternative zum guten alten muskelbetriebenen Handwerkzeug. Zum einen sind da hauptsächlich wohl rein praktische Gründe denkbar: Auch wenn gerade kein Stromanschluss in Reichweite ist, steht man nicht ‘auf dem Schlauch’. Oder wenn der Aufwand für das Ausrollen des Verlängerungskabels größer ist als der eigentliche Arbeitsaufwand. Manchmal aber steckt mehr dahinter.

Beim Herumtüfteln und Basteln geht es meist um die technische Umsetzung von Ideen. Oft möchte man einfach nur ausprobieren ob diese oder jene Konstruktion für einen bestimmten Zweck funktioniert oder besser geeignet ist als eine andere. Dabei ist man natürlich hauptsächlich am fertigen Ergebnis interessiert. Dabei kommt ein elektrisches Werkzeug gerade recht.

Die Verwendung traditioneller, rein muskel-mechanischer Handwerkzeuge aber erzwingt nicht nur andere handwerkliche Fertigkeiten und einen anderen Umgang mit dem Material, sondern macht es meist erforderlich, auch den gesamten Fertigungsprozess unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Oder, passender ausgedrückt, unter vielen verschiedenen Blickwinkeln.

Beim Arbeiten mit traditionellem Handwerkzeug steht mehr das Material im Vordergrund. Das ist hauptsächlich bedingt durch die geringere Arbeitsgeschwindigkeit, und die häufigere Kontrolle des Arbeitsfortschritts. Mit einem Leistungsstarken Elektrohobel kann ich in einem Arbeitsgang viel mehr Holz abtragen, als mit einem herkömmlichen Handhobel, mit dem ich mich langsam an das Endergebnis heranarbeiten muss. Dazu sind häufige Kontrollen und Korrekturen im Arbeitsprozess erforderlich. Durch diese Art der Arbeit mit dem Material bildet sich im Laufe der Zeit schneller ein entsprechender Erfahrungsschatz heraus und ein ‘Gefühl’ für den ‘richtigen’ Umgang mit dem Material und dem Werkzeug.

In diesem Sinne kann es zum Schlüsselerlebnis werden, einmal einem Geigenbauer bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Doch muss man kein Instrumentenbauer sein, um den Einsatz traditioneller Arbeitsgeräte und Werkzeuge schätzen zu lernen. Wo, wenn nicht in der Hobbywerkstatt, sollte der Schlichte Spaß an der Freude hin und wieder mal Grund genug sein, sich mit Dingen zu beschäftigen, für die man ja angeblich gar keine Zeit hat?

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