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Mit dem Thema Galvanisieren habe ich mich hier in einer kleinen Artikelserie bereits befasst. Inzwischen ist zwar schon einige Zeit vergangen aber ich hatte seit dem immer wieder einmal Emails mit Fragen von Lesern zu diesem Thema beantwortet.

Deshalb hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung einiger wichtiger Fragen zum Thema Galvanisieren, auf die ich in den früheren Artikeln nicht oder nur zum Teil eingegangen war.

###Worum geht’s?

Fließt ein elektrischer Strom zwischen zwei in eine Flüssigkeit getauchte Elektroden, werden von der einen Elektrode Metallionen in die Flüssigkeit (den sog. Elektrolyten) abgegeben und an der anderen Elektrode als Metall wieder abgeschieden. Dieser Vorgang heißt Galvanisieren und wird seit langer Zeit für die Veredelung metallischer und nichtmetallischer Oberflächen genutzt.

Eine Anleitung zum Galvanisieren und viele weitere Informationen zum Thema finden Sie in meiner Artikelserie:

Hier finden Sie nochmal einen etwas umfangreicheren Überblick zum Thema Galvanisieren

Was Sie an Gerätschaften und Material für das Galvanisieren brauchen, erfahren Sie hier.

Hier finden Sie eine kurze Anleitung zum Verkupfern.

Sie brauchen eine Spannungsquelle aber wirklich wichtig ist die Stromstärke beim Galvanisieren.

Sicherheitsvorkehrungen für das Hantieren mit Chemikalien und dem elektrischen Strom.

 Häufig gestellte Fragen

Ich möchte selbst verchromen – wo finde ich Tipps und Anleitungen im Internet?

Den besten Tipp, den ich Ihnen da geben kann ist: Lassen Sie’s einfach. Es gibt tatsächlich immer wieder Anleitungen im Internet, die das versprechen wollen. Ich halte nichts davon, weil:

Schon das Einatmen der Dämpfe und Aerosole von Chromelektrolyten ist richtig fies giftig. Sie brauchen extrem hohe Ströme zum Verchromen. Der Verchromungsprozess, oder vielmehr sein Ergebnis, wird durch mehrere verschiedene Parameter gesteuert, wie Bewegung, Stromstärke, Temperatur und weitere zusätzliche Chemikalien. Schlicht und ergreifend ist das ohne die entsprechende technische Ausstattung nicht zu schaffen und im nicht-professionellen Bereich sowieso völlig unwirtschaftlich.

Und wenn Sie nicht wirklich an guten Ergebnissen interessiert wären, könnten Sie auch gleich irgend einen Chrom-Sprühlack verwenden. Und lassen Sie sich da nicht über den Nuckel ziehen: solche Sprühlacke sind ganz normale Kunstharzlacke, Verchromen kann man damit nicht.

Ich behaupte, selbst wenn Sie Ihre zu verchromenden Teile zum erstbesten Galvanisierbetrieb in der Nähe geben, fahren Sie immer noch günstiger. Teuer ist übrigens nicht das Verchromen an sich, sondern vielmehr die Vorarbeit. Für ein wirklich gutes Ergebnis müssen die Oberflächen absolut glatt sein. Wieviel Vorarbeit dazu erforderlich ist, hängt natürlich vom Zustand ab. Durch Rost entstandene Unebenheiten müssen ausgeglichen werden. Das erfordert unter Umständen sogar sehr aufwendige manuelle Handarbeit.

Ich würde Ihnen empfehlen: erkundigen Sie sich beim Galvanisierbetrieb vor Ort oder im Internet, welche Kosten sie durch Übernahme dieser Vorarbeiten einsparen können. Gute Betriebe werden Sie beraten, denn auch diese Vorarbeiten sind nicht ganz ohne Gesundheitsrisiken.

Kann man ohne Strom Galvanisieren?

Jein! Es gibt zwar das stromlose Galvanisieren, bei dem durch Einsatz chemischer Mittel auf eine äußere Spannungsquelle verzichtet werden kann. Es laufen „im Innern“ allerdings die selben elektrochemischen Vorgänge wie beim herkömmlichen Galvanisieren ab.

Für den Hobbybereich halte ich die stromlosen Verfahren allerdings kaum für geeignet. Zum einen sind die benötigten Chemikalien derart giftig, dass einem schon beim Aussprechen Ihrer Namen übel wird, zum anderen dürfte die Beschaffung, Lagerung und Entsorgung usw. für Laien schwierig sein.

Wie kann ich die Dicke der Metallschicht messen?

Die Dicke der Metallschicht bewegt sich im Bereich von wenigen Tausendstel Millimetern. Da ist im Hobby-Bereich nichts mit Messen! In der Industrie wird mit einem „Elcometer“ das Induktionsverhalten der aufgetragenen Metallschicht bestimmt, was einen Rückschluss auf die Schichtdicke gestattet. Diese Geräte arbeiten sehr genau, sind aber für sonst nix zu gebrauchen. Wirklich gute Geräte kosten mehrere Hundert Euro.

Wie kann ich das Galvanisieren beschleunigen?

Gar nicht! Die Masse des abgeschiedenen Metalls ist proportional zur Menge der elektrischen Ladung, die durch den Elektrolyten geleitet wird. Sie müssten also die Stromstärke und damit die Stromdichte erhöhen. Das führt zu Problemen. (s. nächste Frage)

Die beim Galvanisieren aufgebrachte Metallschicht lässt sich wieder abwischen. Was läuft falsch?

Vermutlich haben Sie einen zu hohen Strom eingestellt. Eine zu hohe Stromdichte führt beim Galvanisieren sehr oft zu rauhen oder verschlammten Oberflächen. Oder Ihr Kupferbad ist nicht richtig angesetzt. Unter bestimmten Bedingungen setzt sich Kupfersulfat gerne in kristalliner Form ab.

Wie kann ich beim Galvanisieren den Strom konstant halten?

Solange Sie nicht wirklich große Oberflächen galvanisieren, brauchen Sie sich um die Regelung der Stromstärke keine Sorgen zu machen. Werden größere Flächen galvanisiert, braucht man höhere Stromstärken. Hier sollte schon eine Regelung vorhanden sein.

Eine Stromregelung macht vor allem bei Galvanisierungsprozessen Sinn, die entweder einen veränderlichen Stromverlauf erfordern, oder bei denen die Leitfähigkeit der Oberfläche durch das abgeschiedene Material verändert wird (Eloxieren).

Im Hobbybreich genügt es zur Kontrolle der Stromstärke ein Multimeter als Strommesser in den Stromkreis zu schalten.

In Winkeln aufeinander treffender Flächen scheint das Metall nicht abgelagert zu werden. Woran liegt das und wie lässt sich das verhindern?

Das hat vor allem zwei Ursachen.

Beim Galvanisieren bildet sich nach dem Einschalten der Spannung im Elektrolyten ein elektrisches Feld auf. Dieses Feld kann man sich als eine mehr oder weniger große Anzahl von Linien zwischen Anode und Kathode vorstellen. Die im Elektrolyten gelösten Metallionen bewegen sich entlang dieser Feldlinien zur Kathode hin und werden dort abgeschieden.

Entscheidend für eine gleichmäßige Metallschicht ist also eine möglichst gleichmäßige Dichteverteilung der Feldlinien. Zurück liegende oder verdeckte Bereiche weisen aber weniger Feldlinien pro Flächeneinheit auf als andere. Demnach gelangen dort auch weniger Metallionen hin.

Bei hervorstehenden Ecken und Kanten verhält es sich genau anders herum. Hier ist das elektrische Feld sehr dicht, weshalb dort auch mehr Metall abgeschieden wird.

Man sollte also schon bei der Konstruktion oder bei der Wahl des Gegenstandes scharfkantige Ecken und hervorstehende Spitzen nach Möglichkeit ebenso vermeiden wie kantige Vertiefungen. Man kann außerdem versuchen, durch die geeignete Platzierung mehrerer kleiner verbundener Elektroden diese Störungen im elektrischen Feld auszugleichen.

Eine weitere Ursache kann ein durch die angelegte Spannung verursachtes Ladungsträgergefälle bzw. eine ungleichmäßige Verteilung der Ladungsträger im Elektrolyten sein, was die elektrochemischen Eigenschaften auf lokal sehr eng begrenztem Raum verändern kann. (Ich rede hier nicht von der Elektrolytkonzentration, denn die hat keinen Einfluss auf die abgeschiedene Metallmasse → 2. Faradaysches Gesetz)

Vorhersehbare Ergebnisse, gerade beim Galvanisieren feiner Strukturen, wird man nur nach sehr viel Herumexperimentieren erhalten.

Ich brauche den Elektrolyten nicht mehr, wie kann ich ihn umweltfreundlich entsorgen?

Elektrolyte gehören unter keinen Umständen in die Kanalisation, sondern als Sondermüll zum Entsorgungsbetrieb Ihres Vertrauens. Auskünfte erhalten Sie von Ihrer Stadt- oder Gemeindeverwaltung.

Mixen Sie zur Entsorgung bestimmte Chemikalien nicht willkürlich zusammen, sondern in getrennten und auffällig gekennzeichneten Behältern und lagern diese bis zur endgültigen Entsorgung an einem sicheren, für Kinder unzugänglichen Ort.

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