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Werkelt man in der eigenen Hobbywerkstatt so vor sich hin, kann man den Lärmpegel, den Bohrmaschine, Tischkreissäge oder Schleifgerät entwickeln, schnell mal vergessen. Das ist weder für die eigenen Ohren gut, noch für die der Nachbarn.

Starker Lärm ist nachweislich gesundheitsschädlich. Für die Belastung der nachbarschaftlichen Beziehungen ist aber oft gar nicht die absolute Lautstärke allein ausschlaggebend. Manchmal ist es vielleicht nur die Ausdauer und Regelmäßigkeit, mit der man sein Hobby betreibt. Wer stunden- und tagelang unüberhörbar seiner handwerklichen Freizeitbeschäftigung nachgeht, kann leicht den Eindruck erwecken, für die berechtigten Bedürfnisse anderer nicht viel Interesse aufzubringen.

Derart engagierten Heimwerkern kann ich für die Gesundheit des Hörapparates dringend einen guten Hörschutz empfehlen. Dieses Problem wäre damit vom Tisch.

Und mit etwas Einsicht, Verständnis und Einfühlungsvermögen verhindern Sie, dass Ihr Hobby zum Bruchtest nachbarschaftlicher Beziehungen wird. Was Sie dazu tun können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Rechte und Pflichten

Ich bin kein Rechtsanwalt und möchte deshalb hier keine rechtlichen Grundlagen diskutieren oder gar rechtliche Empfehlungen geben.

Die rechtlichen Grundlagen scheinen so oder so erfrischend eindeutig:

Hobbywerkstatt, scheint grundsätzlich erlaubt, insbesondere mit dem Einverständnis des Vermieters/Hausbesitzers und sofern andere Mieter/Bewohner/Anwohner nicht durch übermäßigen oder lange andauernden Lärm (und auch andere störende Auswirkungen der Hobbyaktivitäten) belästigt werden.

Was dabei „übermäßig“ oder „lange andauernd“ ist, scheinen die Gerichte durchaus kritisch zu beurteilen. Bis hin zur Konsequenz, dass sehr intensive Hobbyaktivitäten gewerblichen Tätigkeiten gleichgesetzt werden. Gut geregelt also.

Regeln oder steuern?

Nein, versprochen, ich bleibe jetzt beim Thema und erkläre hier nicht den Unterschied von Regelungs- und Steuerungstechnik. Obwohl ein solcher Vergleich hier durchaus angebracht wäre. Denn lange bevor ein Gericht eine „Angelegenheit regeln“ muss, ergibt sich meist die Möglichkeit, eine Situation zu steuern – im Idealfall zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Wer noch steuern kann, hat die Situation meistens noch im Griff…

Tipps um Nachbarschaftsstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen

  • Nehmen Sie die Beschwerden von Nachbarn und Anwohnern ernst. Möglicherweise ist Ihnen die Bedeutung von Lärmstress gar nicht bewußt. Lesen Sie weiter unten, warum Lärm Stress auslösen kann und schon haben Sie eine Ausrede weniger, keine Rücksicht zu nehmen. Kennen Sie die Lebenssituation Ihrer Nachbarn? Auf Besonderheiten (Schichtdienst, Krankheit, Kleinkinder) sollte man unbedingt Rücksicht nehmen.

  • Gehen Sie offensiv mit dem Thema um. Haben sie sich selbst schon gefragt, ob Sie möglicherweise zu viel Lärm erzeugen, dann ist es vermutlich auch so. Gehen Sie auf Ihre Nachbarn zu und fragen Sie ob sie sich durch Ihr Hobby gestört fühlen.

  • Halten Sie allgemeine Ruhezeiten unbedingt ein. Wenn diese nicht bereits vertraglich geregelt sind, vereinbaren Sie mit Nachbarn feste Zeiten, zu denen Sie absolut Ruhe halten.

  • Manchmal kann man mit einfachen Schallschutzmaßnahmen erstaunliche Wirkungen erzielen. Nackte Betonwände zum Beispiel reflektieren den Schall sehr gut und übertragen den Schall auch in die Nachbarräume. Durch eine ungünstige Lage angrenzender Flure oder Korridore kann sogar eine schallverstärkende Wirkung auftreten. Eine Verkleidung oder ein simpler Wandbehang aus schallschluckendem Material kann Wunder wirken. Weicher dicker Stoff oder Schall brechende Profile (Eierpaletten) zum Beispiel. Informationen hierzu findet man im Internet reichlich.

  • Es gibt lärmgedämmte Arbeitsgeräte. Dabei handelt es sich, sofern ich da den Überblick habe, meist um Profigeräte. Das ist sicherlich eine Option, die man in Angriff nehmen sollte, wenn alle anderen Maßnahmen nicht greifen. Allerdings spielt da die Preisfrage natürlich eine Rolle. Gute Profigeräte kann man aber mitunter recht günstig in On- und Offlineauktionen ersteigern.

Warum Lärm Stress auslösen kann

Was für den einen wie Musik in den Ohren klingt, löst bei dem anderen vielleicht Stresssymptome aus.

Die Evolution hat im Lauf der Entwicklungsgeschichte solche Lebewesen favorisiert, die einen Fluchtreflex auf starken Lärm entwickelt hatten. Neben unseren primaten Vorfahren zählen bis zum heutigen Tag Menschen und die meisten Tiere dazu.

Auch wenn für den Menschen in der heutigen Lebenssituation Lärm nicht immer mit unmittelbar drohenden Gefahren verbunden ist, sind im Laufe der Evolution erworbene Fluchtreflexe immer noch vorhanden. Lärmstress löst im Körper außerdem die chemischen und physischen Prozesse aus, die den Organismus zu Höchstleistungen befähigen um in Gefahrensituationen schneller und effizienter zu Reagieren. Die physiologischen Reaktionen auf Lärmstress lassen sich eindeutig nachweisen. Bei dem einen Menschen vielleicht mehr oder weniger ausgeprägt als bei dem anderen.

Problematisch dabei ist, dass die freigesetzten körperlichen Ressourcen und auch die möglicherweise damit einhergehende emotionale Verfassung nicht mehr wie bei den frühen Menschen zur Stress auslösenden Situation passen. Eine reale Gefahr existiert nicht und der Körper findet keine Möglichkeit, in der Flucht oder im Kampf mit Angreifern Stress schnell wieder abzubauen. Passiert das zu häufig, kann es zur Ursache für verschiedene Erkrankungen werden.

Das Stressempfinden aufgrund von Lärmbelästigung ist höchst individuell. Trotzdem oder besser gesagt, gerade deshalb sollte man sich hüten, Beschwerden über zu lauten Lärm als persönliche Empfindsamkeit der betreffenden Person abzutun.

Fazit:

Starker Lärm oder eine Dauerberieselung kann schnell gesundheitsgefährdend werden. Es gibt einiges, was man im Vorfeld nachbarschaftlicher Streitigkeiten um Lärmbelästigung tun kann. Lärmvermeidung, Lärmschutz und das sachliche Gespräch sind Beispiele dafür.

Ein offenes Ohr für die andere Meinung gehört natürlich dazu. Ich halte es deshalb für wichtig, im Fall der Fälle einfach auch mal zu versuchen, das eigene Interesse am Hobby ganz hinten anzustellen um die Situation aus dem Blickwinkel der Betroffenen besser verstehen zu können.

In diesem Sinne: Eine ruhige Woche.

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